Entwicklungsminister Müller fordert neues Wachstumsmodell und verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen

19. Juni 2018 | 4. BMZ-Zukunftsforum | Berlin, Deutschland

Zum Weltumwelttag am 5. Juni 2018 hat Entwicklungsminister Müller das vierte BMZ-Zukunftsforum "Globalisierung gerecht gestalten" eröffnet. Unter dem Motto "Das Kapital der Natur! Unser Wohlstand – unsere Verantwortung" gingen die Teilnehmer aus Bundespolitik, Unternehmen und Zivilgesellschaft der Frage nach, wie wir die Welt von morgen gestalten können, ohne dabei die natürlichen Grenzen unseres Planeten zu überschreiten.

Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller warb in seiner Rede für ein Umdenken: Die Folgen unserer Lebensweise für Natur und Umwelt müssten in die wirtschaftliche Gesamtrechnung einfließen: "Ein neues Wachstumsmodell ist nötig, und das heißt vor allem: Ehrlich rechnen! Wirtschaft und Konsum verursachen Umweltschäden in Billionenhöhe, die man berechnen könnte: Krankheitskosten durch Abgase, Verluste von Wäldern, Böden, Artenvielfalt, das alles taucht auf keinem Preisschild auf. Aber: Naturverbrauch darf nicht gratis sein. Und gerade wir müssen eintreten für den Schutz globaler Güter, denn Natur hat einen Wert!"

Deutschland müsse daher Vorreiter in Sachen Kreislaufwirtschaft sein, so argumentierte auch Gastredner Prof. Dr. Klaus Töpfer, Bundesminister a.D. und ehemaliger Leiter des VN-Umweltprogramms in seinem Vortrag „Strategien für die Transformation zu einer nachhaltigen Welt“: "Ich bekenne mich dazu, dass eine Nation wie Deutschland, in guter, sogar sehr guter ökonomischer Verfassung, in einer langjährigen Tradition im wissenschaftlich-technischen Bereich, nicht fragen darf: Machen das die anderen auch? Sondern dass sie vorangehen muss und dann sehen, dass die anderen das auch machen. Jede Strategie beginnt zuhause! Machen wir hier eine Kreislaufgesellschaft, die sich zeigen lässt! Und gehen wir in diese Kreislaufgesellschaft mit der Verantwortung hinein, die ein solches Land, wie wir es sind, übernehmen muss."

Im Anschluss diskutierte Entwicklungsminister Müller mit Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland, Dr. Karin Kemper, leitende Direktorin für Umwelt und natürliche Ressourcen bei der Weltbank und Prof. Dr. Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group über die Notwendigkeit und die Chancen, Wohlstand neu zu denken und zu messen.

„Jedes Produkt hat Auswirkungen auf die Welt und Menschen und diese Auswirkungen können gemessen werden. Es ist wichtig, Naturkapital in Zahlen auszudrücken, um den Wert der Natur in die Köpfe der Entscheidungsträger zu bringen,“ sagte Otto.

Karin Kemper stellte den in diesem Jahr erschienenen Weltbank-Bericht „The Changing Wealth of Nations“ vor, der sich mit Fragen der Nachhaltigkeit und Ökobilanzierung auseinandersetzt. „Gibt es einen Maßstab um zu wissen, ab wann sich ein Land nicht mehr nachhaltig entwickelt? Das wollen wir in diesem Bericht beantworten,“ so Kemper.

Brandes betonte indes, dass es wichtig sei, ökologische Notwendigkeit und das Kaufmännische zusammenzubringen, forderte die Beschleunigung des Wandels aber auch eine kollektive Preispolitik, die den Wert der Natur und Umweltschäden berücksichtigt. „Nur, wenn wir diese Fragen rechtzeitig beantworten, können wir langfristig Wohlstand für alle sichern.“

Die Dialogreihe „Zukunftsforum: Globalisierung Gerecht Gestalten“ fand bereits zum vierten Mal statt und wurde vom Entwicklungspolitischen Forum der GIZ durchgeführt. Die inhaltliche Vorbereitung lag GIZ-seitig beim SV Umweltpolitik und nachhaltige Entwicklung. Das BMZ unterstützt mit dem SV Umweltpolitik die Arbeit der Weltbank zur Berücksichtigung des Wertes der Natur in der Entwicklungsplanung über die WAVES Partnerschaft der Bank („Wealth Accounting and Valuation of Ecosystem Services“) seit 2012.

Im Anschluss an den offiziellen Teil des Zukunftsforums eröffnete Entwicklungsminister Müller gemeinsam mit UNESCO-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven und dem Künstler Leon Löwentraut die Ausstellung #Art4GlobalGoals. Die Ausstellung bildet den Auftakt für die von Ohoven initiierte gleichnamige Kampagne, für die Minister Müller die Schirmherrschaft übernommen hat. Der 20-jährige, international erfolgreiche Maler Löwentraut hat dafür die von den Vereinten Nationen im Jahr 2015 beschlossenen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung in Bildern künstlerisch interpretiert. #Art4GlobalGoals soll dazu beitragen, diese Ziele einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und zugänglich zu machen und zu eigenem Engagement zu ermutigen.

Bild oben: Heinl/Photothek. Von links nach rechts: Prof. Klaus Töpfer, Eberhard Brandes, Entwicklungsminister Müller, Prof. Dr. Michael Otto und Karin Kemper

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