G20-Afrika-Konferenz „In eine gemeinsame Zukunft investieren“

12./13. Juni 2017 | G20-Afrika-Konferenz | BMZ, Berlin, Deutschland

„In eine gemeinsame Zukunft investieren“ war das Motto der „G20-Afrika-Konferenz“, die als Teil der deutschen G20-Präsidentschaft und politischer Höhepunkt der G20-Afrika-Partnerschaft am 12. und 13. Juni 2017 im Gasometer in Berlin stattfand. Im Mittelpunkt stand der politische Dialog zu den Perspektiven der Partnerschaft mit Afrika und der von der deutschen G20 -Präsidentschaft entwickelten Initiative „Compact with Africa“.

Die Konferenz wurde vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) initiiert und in enger Kooperation mit dem Bundeskanzleramt und Auswärtigen Amt organisiert. Insgesamt rund 800 Teilnehmer/innen besuchten die Konferenz, die vom Entwicklungspolitischen Forum der GIZ durchgeführt wurde.

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel eröffnete die Konferenz, ein High Level Dialog auf höchster politischer Ebene folgte. Es schlossen sich eine Keynote des Präsidenten der Republik Guinea und Vorsitzenden der Afrikanischen Union (AU), Alpha Condé, sowie Redebeiträge der Staats- und Regierungschefs von Ägypten, Côte d’Ivoire, Ghana, Mali, Niger, Ruanda, Senegal und Tunesien und des italienischen Premierministers Paolo Gentiloni an.

An die Eröffnung schloss sich ein hochrangiges Panel zum Compact with Africa an, an dem die Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble und Dr. Gerd Müller ebenso mitwirkten wie die Finanzminister aus den Ländern Côte d’Ivoire, Senegal, Ruanda, Tunesien und Marokko sowie die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank, Akinwumi Adesina, und der Weltbankpräsident Jim Yong Kim.

Bundeskanzlerin Merkel hob in ihrer Eröffnungsrede die Bedeutung Afrikas für Europa hervor und legte einige Grundprinzipien für die künftige Kooperation mit Afrika dar. Positiv bewertete sie die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit insgesamt: „Es ist mit der Agenda 2030 etwas ganz Großartiges gelungen, weil sich alle Länder auf einen gemeinsamen Entwicklungspfad verständigt haben“, so Merkel.

Dementsprechend sollten künftige Partnerschaften stärker auf Augenhöhe gestaltet werden: „Wir brauchen eine Initiative, die nicht über, sondern mit Afrika spricht“, so die Bundeskanzlerin. Dies sei der Ansatz der von der deutschen G20-Präsidentschaft entwickelten Initiative “Compact with Africa“.

Der italienische Premierminister und derzeitige Vorsitzende der G7-Präsdidentschaft Paolo Gentiloni begrüßte die Entscheidung, den Fokus des G20-Prozesses auf Afrika zu legen. Aufgrund seines wirtschaftlichen Potenzials und nicht zuletzt auch des starken Bevölkerungswachstums sei Afrika der Kontinent der Zukunft, so Gentiloni. Daher sei es wichtig, über private Investitionen nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Die Staatspräsidenten der afrikanischen Länder Ägypten, Côte d’Ivoire, Ghana, Mali, Niger, Ruanda, Senegal und Tunesien äußerten sich zustimmend zur Initiative der G20. In ihren Redebeiträgen betonten sie die unterschiedlichen Herausforderungen, vor denen ihre Länder stehen, und welche Hoffnungen sie mit der G20-Initiative „Compact with Africa“ verbinden.

Ägyptens Präsident Abdelfattah Al-Sisi begrüßte die Rolle Deutschlands und wies darauf hin, dass Ägypten weiterhin im Umbruch sei, was sich mitunter nicht nur positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirke. Umso wichtiger sei ein gemeinsames Vorgehen der Länder unter Einbezug der Wirtschaft.

In dem anschließenden Panel stellte Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble die Initiative „Compact with Africa“ der deutschen G20-Präsidentschaft vor. Ziel der Initiative sei es, dass die afrikanischen Länder mit den Internationalen Organisationen und ihren jeweiligen bilateralen Partnern gemeinsam an der Verbesserung der Rahmenbedingungen für private Investitionen arbeiten.

Inwieweit die Initiative Früchte tragen werde, liege aber vor allem an den Maßnahmen, die die afrikanischen Länder ergreifen müssten: „Die eigenverantwortliche Umsetzung der afrikanischen Länder wird der Schlüssel zum Erfolg sein.“

„Eine neue globale Situation verlangt neue Partnerschaften“, stellte Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller fest. Die Themen Hunger, Krankheit und Situation der Umwelt würden die Welt in den kommenden Jahren weiterhin beschäftigen. Alle diese Herausforderungen seien aber zu meistern, wenn die Politikfelder gemeinsam gedacht würden, so Müller.

Eine entscheidende Rolle komme dabei den Industriestaaten zu. Die Länder der G20 seien verantwortlich für 60 Prozent der Treibhausgase und für 90 Prozent des Ressourcenverbrauchs. Geld sei genug vorhanden, so der Entwicklungsminister, es bedürfe aber der Möglichkeit, die Investitionen in nachhaltige Ansätze zu leiten. Dabei müsse es globale Standards für Wertschöpfungsketten geben, um die Globalisierung gerecht zu gestalten, sagte Minister Müller.

Am zweiten Veranstaltungstag standen die Themen Investitionen und Rahmenbedingungen für nachhaltige Entwicklung in Afrika im Vordergrund. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hob die besondere Rolle der afrikanischen Partnerländer des „Compact with Africa“ hervor: „Unsere afrikanischen Partner sitzen am Steuer“, so Weidmann.

In den anschließenden Arbeitsgruppen (Breakout Sessions) wurde diskutiert, welche Bedingungen geschaffen werden müssen, um Investitionen anzuziehen, und wie sich die Investitionen in nachhaltige Wirtschaftsbereiche leiten lassen.

GIZ-Vorstandssprecherin Tanja Gönner diskutierte zum Thema „Investitionen im fragilen Kontext“ mit afrikanischen Investoren, dem ehemaligen Vorsitzenden der Afrikanischen Entwicklungsbank, Donald Kaberuka, und Staatssekretär Walter J. Lindner aus dem Auswärtigen Amt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Länder mit fragiler Staatlichkeit Investitionen anziehen könnten, um wirtschaftlich nicht noch weiter zurückzufallen.

Es bestand Einigkeit, dass es für Länder mit fragiler Staatlichkeit besonders wichtig ist, Investoren zu gewinnen, um dem Teufelskreis aus Armut und Gewalt zu entkommen. Kontrovers wurde dagegen diskutiert, welche Voraussetzungen private Investitionen erfüllen müssen, um nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Kritisch gesehen wurden Investitionen, die einzig die Rolle der Länder als Rohstofflieferant festigen würden. Investitionen in den Agrarsektor seien hingegen wichtig, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sicherstellen und somit eine positive Einkommensentwicklung fördern zu können.

Aufgrund der Besonderheit der jeweiligen Konflikte sei es wichtig, Maßnahmen an das jeweilige Land anzupassen, so ein Fazit. „Wir haben eine Menge Werkzeuge zur Verfügung. Die sind aber nicht immer bekannt. Wir brauchen daher politischen Dialog mit den Ländern, um die richtigen Werkzeuge für den richtigen Kontext gemeinsam mit den Partnerländern auszuwählen“, sagte Tanja Gönner.

Author: Frederik Caselitz

Impressionen der Veranstaltung

Bild oben: Gruppenfoto vor Beginn der G20-Afrika-Konferenz in Berlin. Foto: Florian Gaertner/photothek.net

Empfehlen Sie uns weiter!

Digital Development Debates – Empfohlene Artikel

The Future of Labour Is Not Pre-Determined

Interview with Guy Ryder, Director-General of the International Labour Organization (ILO) on the situation of labour rights worldwide.

» more

Morocco’s Solar Bet

Morocco’s new solar power plants are expected to support 1.1 million people and hopes are high for a boost in job creation. Yet obstacles still remain.

» more

Women Entering Tech

The Organization ChunriChoupaal does not accept the male bias of the tech industry. Neither in Europe nor in Pakistan

» more

Europe’s Working Poor

In some parts of Europe, garment workers earn less than their Asian counterparts – even if they work for big brands

» more