Globalisierung gerecht gestalten – Neue Partnerschaft mit Afrika

15. Februar 2016 | Zukunftsforum | BMZ, Berlin, Deutschland

Entwicklungspolitik muss so gestaltet und kommuniziert werden, dass sie sich in den Kontext von „Interdependenz“ stellt und nicht in den von „Hilfe“ – das war eine der Forderungen, die Professor Horst Köhler, Bundespräsident a.D., am 15. Februar in seiner Rede zum Thema „Neue Partnerschaft mit Afrika“ formulierte. Der Marshallplan mit Afrika, den Gastgeber Dr. Gerd Müller im Januar vorgestellt hat, gebe für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Afrika konkrete Anhaltspunkte.

Mit Amadou Diallo, Vizepräsident von DHL Global Forwarding, sowie Abdoulaye Bio Tchané, Planungsminister von Benin, sprachen Köhler und Müller über die Ansätze deutscher Entwicklungspolitik für Afrika. Die Veranstaltung war die dritte der Dialogreihe „Zukunftsforum: Globalisierung gerecht gestalten“, sie wurde vom Entwicklungspolitischen Forum der GIZ durchgeführt.

Mit insgesamt 320 Gästen war der Andrang so groß, dass viele stehend das Geschehen auf dem Podium verfolgen mussten, einige Besucher mussten zur Live-Übertragung in einen weiteren Saal ausweichen. Bundesentwicklungsminister Müller nannte die hohe Zahl an Gästen einen Beleg dafür, dass Afrika auf großes Interesse stößt: „Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Afrika zu einem Schwerpunkt der G20-Präsidentschaft erklärt“, so Minister Müller. Mit dem Kontinent seien gemeinsame Zukunftsinteressen verbunden, sagte Müller, „Klimawandel, Armut, Hunger, Konflikte, Terrorismus – all das können wir nur gemeinsam mit den 55 Staaten Afrikas angehen.“

Horst Köhler mahnte in seiner Rede an, sich dem Nationalismus, der in einigen westlichen Demokratien an Stärke gewinnt, entgegenzustellen. Köhler: „Dass ausgerechnet jetzt die nationalen ‚Vereinfacher‘ Oberhand gewinnen, wo wir doch nichts dringender bräuchten als globale Antworten auf komplexe Fragen, das ist eine vielleicht nachvollziehbare Gegenreaktion vieler Menschen auf die Schattenseiten der Globalisierung.“ Entwicklungspolitik solle sich als Interdependenzpolitik verstehen, sie müsse – dabei dem Gebot von Empathie und Fairness folgend – die globalen Rahmenbedingungen mitgestalten, um Entwicklungschancen für die ärmeren Länder zu erhöhen.

Der Marshallplan von Minister Müller gebe dazu wichtige Themen vor: Das Schaffen internationaler Steuergesetze und Regeln, um den illegalen Kapitalabfluss aus Afrika zu stoppen; Handelsverträge, die vorrangig auf Arbeitsplätze in Afrika und nicht den Schutz der europäischen Agrarindustrie abzielten oder ein Klimaregime, das die globale Erwärmung bremst und den ärmsten Ländern bei Maßnahmen zur Anpassung unterstützt. Es sei dabei wichtig, so Köhler weiter, dass der Marshallplan nicht als paternalistischer Ansatz wahrgenommen werde. Es müsse ein Afrikabild gezeichnet werden, das sich weder der Emotion des Mitleids, noch der Emotion der Angst bediene.

Impressionen der Veranstaltung

Bild oben: Prof. Horst Köhler, Bundespräsident a.D. Foto: GIZ/Heine

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