Carin Smaller und der Bundesminister halten gemeinsam ein Dokument.

Eine Welt ohne Hunger ist möglich – Hybrid-Event im BMZ

13.10.2020 | Hybrid-Event | Berlin und Online

Zum Start der Welternährungswoche lud Bundesminister Dr. Gerd Müller internationale Forschungsteams ein, um neue Ansätze zur Überwindung globalen Hungers vorzustellen. Ein Teil der Protagonist*innen präsentierte live im Entwicklungsministerium, weitere Expert*innen und Zuschauer*innen aus aller Welt nahmen online an der Veranstaltung teil.

Derzeit leiden 690 Millionen Menschen weltweit an Hunger, eine Milliarde Menschen ist von Fehl- und Mangelernährung betroffen. Die Corona-Pandemie hat sich im globalen Süden längst zu einer Hunger- und Armutskrise entwickelt. 135 Millionen Menschen sind zusätzlich von einer akuten Hungersnot betroffen.

Welche Wege gibt es aus dieser Ernährungskrise? Antworten darauf gab es am 13.10.2020 während der Konferenz Eine Welt ohne Hunger ist möglich – Was zu tun ist. Um den Herausforderungen der Corona-Pandemie gerecht zu werden, war das Format der Konferenz als „Hybrid-Veranstaltung“ konzipiert: Eine Mischung aus Online- und Präsenz-Konferenz. Moderatorin Katie Gallus begrüßte in Berlin in einem Studio-Setting im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Bundesminister Dr. Gerd Müller und Carin Smaller vom International Institute for Sustainable Development (IISD). Aus aller Welt online zugeschaltete Expert*innen diskutierten, wie das zweite Nachhaltigkeitsziel „Kein Hunger“ der Agenda 2030 erreicht werden kann. Rund 700 Online-Teilnehmer*innen sahen sich das Event live im Internet an.

Hinter den Kulissen einer hybriden Veranstaltung.
Hinter den Kulissen einer hybriden Veranstaltung. Foto: PHOTOTEK

Im Mittelpunkt stand die Präsentation zweier neuer Studien, die eine aus der Feder des Ceres2030-Konsortiums, bestehend aus der Cornell University, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), des International Food Policy Research Institute (IFPRI) und des Bonner Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF). Die andere ist ein Kooperationsprojekt des Bonner Zentrums für Entwicklungsforschung mit der FAO. Carin Smaller, Co-Autorin der Ceres 2030-Studie, überreichte diese zusammen mit der zugeschalteten Chefredakteurin der Fachzeitschrift Nature, Dr. Magdalena Skipper, in Form einer Nature-Sonderausgabe an Bundesentwicklungsminister Müller im Studio in Berlin. Höhepunkt des Events war die digitale Überreichung von Handlungsempfehlungen beider Forschungsteams in Form eines Policy Briefs an Minister Müller und an die EU-Kommissarin für Internationale Partnerschaften Jutta Urpilainen. Das Fazit: mit einem stärkeren Fokus auf Afrika und Investitionen von jährlich 14 Milliarden Dollar zusätzlich lässt sich das Ziel „Eine Welt ohne Hunger“ in den nächsten zehn Jahren erreichen.

Weitere Highlights des Events waren die Beiträge prominenter Rednerinnen und Redner zum Thema: Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Dr. Abhijit Banerjee stellte die Zusammenhänge zwischen Ungleichheit und Hunger dar. Er betonte Aspekte wie mangelnde Infrastruktur und Logistik im Zusammenhang mit Nahrungsmittelverschwendung. Bill Gates hob in seiner Rolle als Co-Chair der Bill & Melinda Gates Foundation die Bedeutung des Klimawandels für welt-weite Ernährungssicherung hervor. Dabei sei nicht nur an schmelzende Gletscher zu denken, sondern auch an Kleinbauern in Kenia, Nigeria oder Indien, die sich mit nie dagewesenen Trockenphasen, Überflutungen oder Heuschreckenplagen konfrontiert sehen. In einer Online-Paneldiskussion debattierten Dr. Máximo Torero, Chefökonom der FAO, Dr. Ousmane Badi-ane, Co-Chair von AKADEMIYA2063 und Dr. Agnes Kalibata, UN-Sondergesandte für den Food Systems Summit 2021, über die Ergebnisse der Studien. Sie waren sich einig, dass jetzt die Zeit zum entschlossenen Handeln für globale Ernährungsgerechtigkeit gekommen ist.

Nach zwei Stunden intensiver Auseinandersetzung im hybriden Online-Format schlussfolgerte Bundesentwicklungsminister Müller: „Ich spreche extra langsam, damit es auch die Politiker in der Welt verstehen. Gibt es ein wichtigeres Ziel? Gibt es eine größere Aufgabe? Da sind diese 14 Milliarden doch relativ bescheiden, die wir investieren müssten weltweit.“ Um zu verdeutlichen, warum diese Summe aufzubringen sein müsste, ließ der Minister einen Vergleich für sich sprechen: Weltweit wurden die Rüstungsausgaben allein in diesem Jahr um 70 Milliarden Dollar zusätzlich auf insgesamt 2.000 Milliarden Dollar erhöht. Die Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth resümierte in ihrer Schlussrede die Essenz der Veranstaltung: „Die Überwindung des Hungers ist kein Hexenwerk. Wenn wir jetzt konsequent handeln, dann können wir SDG 2 tatsächlich erreichen. Diese Studien haben uns den konkreten Weg aufgezeigt."

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung. Foto: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Eine Aufzeichnung der Veranstaltung sowie die zugehörigen Dokumente sind hier zu finden:

Bild am Seitenanfang: Carin Smaller und Bundesminister Dr. Gerd Müller. Foto: PHOTOTEK

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