EINEWELT ohne Hunger ist möglich

24./25. März 2015 | „Kalkscheune“, Berlin, Deutschland

Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller und hochrangige Stakeholder sind sich einig, dass das Menschenrecht auf Nahrung bis 2030 verwirklicht werden kann.

„EINEWELT ohne Hunger – Unsere Verantwortung“ – unter dieser Losung fand am 24. und 25. März 2015 eine Fachkonferenz in Berlin statt, zu der Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller internationale Expertinnen und Experten empfangen hat. Bis zum Jahr 2030, so Müller, könne erreicht werden, dass alle Menschen ausreichend mit Nahrung versorgt sind. Mit der Sonderinitiative „EINEWELT ohne Hunger“ hat sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Bewältigung dieser großen Herausforderung zum zentralen Thema gemacht. Die zweitägige Veranstaltung wurde vom Entwicklungspolitischen Forum der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt.

Gemeinsam mit Ertharin Cousin, Exekutivdirektorin des UN-Welternährungsprogramms (WFP), und Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, skizzierte Müller vor Beginn der Konferenz vor Journalisten, mit welchen Schritten die Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger das Problem angehen soll.

Weltweit 850 Millionen Menschen litten jährlich Hunger, rund zwei Milliarden seien mangelernährt, sagte Minister Müller: „Es sterben weltweit mehr Menschen an Hunger als etwa an den Folgen von Aids, Malaria und Tuberkulose.“ Nachdem es der Weltgemeinschaft gelungen sei, die Zahl der als absolut arm geltenden Menschen um die Hälfte zu verringern, sei die Beseitigung des Hungers der nächste folgerichtige Schritt.

Müller führte vor den Journalisten aus, dass die Erde der wachsenden Weltbevölkerung grundsätzlich weiterhin ausreichend Nahrung biete, so dass niemand Hunger leiden müsse. Als wesentliche Gründe für das Fortbestehen von Hunger und Mangelernährung nannte er eine fehlende gerechte Verteilung sowie ungerechte Landnutzungs- und Eigentumsverhältnisse. Verschärfend hinzu komme, dass bis zu 50 Prozent der geernteten Nahrungsmittel letztlich ungenutzt verrotten würden, da sie in vielen Ländern nicht richtig gelagert und transportiert werden könnten. Und schließlich müssten die Konsumenten bereit sein, angemessene Preise zu zahlen, damit die Bauern in den Erzeuger-Ländern sich und ihre Familien den Lebensunterhalt sichern können, so Müller.

Zu den Kernpunkten der Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger zähle daher, gemeinsam mit den Partnerländern die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel voranzutreiben, Innovationen im Agrar- und Ernährungssektor zu fördern, faire Landeigentums- und Landnutzungsrechte herzustellen und kleinbäuerliche Familienbetriebe in den Mittelpunkt der Förderung zu stellen. Auch müsse die Stellung von Frauen grundlegend gestärkt werden, da sie einen wesentlichen Faktor in der Produktion von Nahrungsmitteln darstellen und ihnen dennoch meist der Zugang zu Land und Krediten verwehrt bleibe.

Am Nachmittag unterstrich der Minister in seiner Eröffnungsrede vor den rund 220 Teilnehmern und Teilnehmerinnen, dass die gewaltigen Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft es möglich machen, dass kein Mensch auf der Welt Hunger leiden müsse. Trotz der stetig wachsenden Weltbevölkerung sei die Zahl der Hungernden seit den 1990er Jahren von rund einer Milliarde auf heute 850 Millionen zurückgegangen. Die größten Erfolge habe dabei China aufzuweisen.

„Die Welt heute könnte alle Menschen satt machen“, sagte Müller. Umso schwerwiegender sei es daher, dass der Hunger weiterhin so allgegenwärtig ist. Insbesondere die Bevölkerung auf dem Land zähle zu den Millionen Hungernden, gerade Kleinbauern seien nicht in der Lage, sich und ihre Familien zu ernähren. Die Situation in den Entwicklungsländern werde dadurch verschärft, dass dort die Folgen des Klimawandels am deutlichsten spürbar werden und die Zahl der Dürren und Überschwemmungen zugenommen habe.

„Mit der Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger haben wir einen Ansatz, der vielschichtigen Problematik zu begegnen“, sagte Minister Müller. Rund 1,4 Milliarden Euro werde das BMZ in diesem Jahr zur Bekämpfung des Hungers aufwenden.

Ertharin Cousin begrüßte die Initiative des Ministers, Deutschland trage damit wesentlich dazu bei, dass der Kampf gegen den Hunger auch auf der internationalen Agenda hoch angesiedelt werde – nur so bleibe 2030 als Zieljahr realistisch.

In der anschließenden Diskussion sagte Bärbel Dieckmann, der Kampf gegen den Hunger beinhalte mehr, als alle Menschen satt zu machen. Die derzeitige Verteilung von Armut und Reichtum auf der Welt sei unerträglich, so Dieckmann, die Regierungen müssten – etwa über eine grundlegende Reform ihrer Steuersysteme – dafür Sorge tragen, extreme Ungleichheiten zu beseitigen, damit alle Menschen für ihren Lebensunterhalt sorgen können. An die Menschen in den Industrieländer richtete sie die Forderung, ihr Konsumverhalten grundlegend zu hinterfragen: „Wir leben auf Kosten anderer, verbrauchen zu viel Energie, Wasser und Böden.“

Am zweiten Veranstaltungstag stand der Fachdialog im Vordergrund. Experten und Experteninnen aus Afrika und Europa brachten ihre Erfahrungen in die Diskussion ein, am Nachmittag ging es um Aspekte der Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger. Als Diskussionsformat wurde der Open Space gewählt, was von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen einhellig begrüßt wurde. Dr. Stefan Schmitz, Beauftragter des BMZ für die Sonderinitiative „EINEWELT ohne Hunger“, zog ein erfolgreiches Resümee von der Veranstaltung und bedankte sich für die engagierte Beteiligung.

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