EINEWELT – Unsere Verantwortung: Weltzukunftsvertrag Agenda 2030 zu Gast im Futurium

14.11.2019 | Abendveranstaltung | Berlin, Deutschland

„Es geht um die Zukunft.“ So begrüßt Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dr. Gerd Müller seine Gäste im Rahmen der Veranstaltung „EINEWELT – Unsere Verantwortung“, welche die Agenda 2030 thematisiert.

Mit rund 200 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik werden am Abend des 14. November 2019 globale Herausforderungen diskutiert, Etappenziele markiert und vor allem auch inspirierende Projekte in der internationalen Zusammenarbeit vorgestellt – denn es braucht mehr denn je die positiven Beispiele, die motivieren. Auch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ist vor Ort und unterstreicht in ihrer Rede die essenzielle Rolle von Partnerschaften für die Erreichung globaler Entwicklungsziele. Vom deutschen Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit fordert sie eine verstärkte Ausrichtung hin zu (privat-)wirtschaftlicher Zusammenarbeit, betont aber gleichzeitig die weiterhin bestehende Relevanz „klassischer Entwicklungshilfe“. Das Entwicklungspolitische Forum unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bei der Vorbereitung und Durchführung der Abendveranstaltung in Berlin.

Wird die Welt im Jahr 2030 ein besserer Ort sein? Können wir Armut und Hunger beenden, den Klimawandel aufhalten und Frieden und Gerechtigkeit in der ganzen Welt sichern – und das alles in den nächsten zehn Jahren? Nichts Geringeres als das beinhaltet die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die 2015 von allen 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen beschlossen wurde. Die Agenda 2030 beschreibt die Welt, in der wir im Jahr 2030 leben wollen. Mit der Erreichung der darin formulierten 17 SDGs (Sustainable Development Goals), soll für alle Menschen weltweit ein Leben in Würde und Wohlstand ermöglicht werden.

Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dr. Gerd Müller. Foto: Xander Heinl/PHOTOTHEK

„Der Himmel, der Planet, gehört uns allen.“ Mit dieser Feststellung appelliert Gerd Müller zum einen an die Verantwortung, die wir alle für unsere Welt tragen, zum anderen verdeutlicht er, dass jede*r Einzelne etwas bewirken kann. Daher erklärt Gerd Müller seine Gäste zu Multiplikator*innen, die die Botschaften und Ziele der Agenda 2030 in alle Bereiche der Gesellschaft tragen sollen. Um die Agenda 2030, den Weltzukunftsvertrag, zu thematisieren, wurde mit dem Futurium, Berlins neuem Zukunftsmuseum, die perfekte Location für die Veranstaltung auserkoren.

Direkt zu Beginn ihrer Rede thematisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenfalls das Ineinandergreifen der gesetzten Thematik mit dem gewählten Rahmen und betont das Potential des Futuriums, „ganz wunderbare Erkenntnismöglichkeiten“ zu bieten. Eben diese Erkenntnismöglichkeiten brauche es, um unsere Zukunft positiv zu beeinflussen, indem wir „einen tiefgreifenden Wandel in der Gegenwart“ herbeiführen. Wie sehr die Zeit drängt und wie sehr wir im Hier und Jetzt gefordert sind, verdeutlicht die Bundeskanzlerin durch ein Zitat des früheren amerikanischen Präsidenten Barack Obama: „Wir sind die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels spürt. Und wir sind die letzte, die etwas dagegen tun kann“.

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Foto: Xander Heinl/PHOTOTHEK

Wie akut die globalen Herausforderungen sind und wie unhaltbar die Zustände in Teilen der Welt sind, illustriert Angela Merkel anhand von eindeutigen Zahlen und Fakten. 736 Millionen Menschen leben weltweit noch immer in absoluter Armut und 822 Millionen Menschen leiden Hunger. (Zum Vergleich: In der Europäischen Union leben derzeit 512 Millionen Menschen.) Die Treibhausgasemissionen nehmen nicht ab, sondern steigen weiter an. 20 Prozent der Menschen verbrauchen 80 Prozent der Ressourcen. Deutschland trägt darum in den Augen der Bundeskanzlerin eine besondere Verantwortung: „Hier müssen wir mit großer Anstrengung zeigen und vormachen, dass wir in Wohlstand leben können und gleichzeitig den Nachhaltigkeitszielen entsprechen. Das muss unser Beitrag sein.“

In der gegenwärtigen Zeit, in der der Multilateralismus unter Druck ist, „in der es viele Alleingänge der Länder gibt“, sei es zwar erfreulich und spannend, dass es gelungen ist, die Nachhaltigkeitsziele zu verabschieden, zugleich ergeben sich aber neue Herausforderungen in der internationalen Zusammenarbeit. Indessen birgt auch die Vielzahl an Organisationen, Initiativen, NGOs und Geldgebern die Schwierigkeit, Lösungsansätze weltweit effizient zu koordinieren. Aus diesen Gründen sind Klarheit, Einigkeit und vor allem Kohärenz unabdingbar, es reicht nicht „ein Ziel zu setzen und Geld zu geben, sondern man muss es ja auch noch schaffen, dass die Dinge Hand in Hand gehen, dass sie koordiniert sind, dass sie effizient sind.“

Um den Herausforderungen zu begegnen und um Angebote entstehen zu lassen, muss der deutsche Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit entsprechend justiert werden. „Jeder weiß, dass es der Entwicklungshilfe im klassischen Sinne bedarf und dass sie unabdingbar ist“, stellt Angela Merkel ihren Forderungen voran. In einem weiteren Schritt müssen dann allerdings Brücken geschlagen werden von der klassischen Art der Entwicklungshilfe hin zu mehr privatwirtschaftlichem Engagement. Eben dieser Übergang ist für die Bundeskanzlerin der zentrale Aspekt, der die weltweite Zusammenarbeit der nächsten Jahre ganz wesentlich bestimmen müsse. Als prominente Beispiele nennt sie zum einen die während der deutschen G20-Präsidentschaft gegründete Initiative Compact with Africa, mit dem Ziel besserer Bedingungen für Handel und Investitionen, zum anderen die BMZ-Initiative des Grünen Knopfs, die unter GIZ-Beteiligung auf eine Stärkung der Nachhaltigkeit und Fairness bei der Produktion im Textilbereich vor Ort abzielt.

Anhand des Beispiels Grüner Knopf verortet die Bundeskanzlerin die Aufgabe der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit und somit auch der GIZ genau in diesem Spannungsfeld zwischen Entwicklungshilfe und wirtschaftlicher Produktion: „Wenn man sich überlegt, was die GIZ zu einem großen Teil macht, dann ist es, an der erwähnten Brücke zu arbeiten, um zu nachhaltigen Wertschöpfungsketten in den betreffenden Ländern zu gelangen.“ Insgesamt fordert sie Projekte, die sich flexibel an die Gegebenheit vor Ort anpassen und vor allem nachhaltig und zukunftsorientiert sind. Denn nur durch Kohärenz und Praktikabilität in der Leistungserbringung können wirksame Lösungen erarbeitet werden, die langfristig die Lebensbedingungen von Menschen weltweit verbessern.

Doch um die Agenda 2030 weltweit umzusetzen, braucht es auch das Engagement der Einzelnen, betont die Bundeskanzlerin immer wieder, da viele individuelle Entscheidungen am Ende den Erfolg ausmachen. Auch in diesem Punkt sind sich Angela Merkel und Gerd Müller vollkommen einig. Der Bundesminister appelliert beispielsweise an die täglichen Kaufentscheidungen, die die Bürger*innen treffen, und verdeutlicht die Auswirkungen, die der Kauf eines Kleidungsstücks hier in Deutschland auf Menschen in der ganzen Welt hat. Über faire Lieferketten, die über den Grünen Knopf zertifiziert sind, kann tatsächlich Armut bekämpft werden. Voller Elan fordert er: „Kaufen Sie fair ein! Bei Kleidung beginnen wir, bei Kaffee machen wir weiter! Und dann dehnen wir auf alle Lieferketten aus!“ Die Textilbotschafterin Barbara Meier ist von der guten Sache ebenso überzeugt und appelliert daran, sich mit Textilarbeiter*innen weltweit zu solidarisieren. Gleichzeitig sei „Fair Fashion“ aber auch der Ort für Konsument*innen, wo es spannend wird: Genau in diesem Sektor gebe es heute die großen Innovationen und neue Technologien werden erprobt.

Zur Inspiration, wie das Engagement der Einzelnen aussehen kann, hat Gerd Müller vier SDG-Botschafter*innen eingeladen, die überzeugt und motiviert von ihren eigenen Projekten berichten. Sara Nuru hat gemeinsam mit ihrer Schwester Sali das Projekt nurucoffee gegründet, das durch Kaffeeverkauf Mikrokredite für äthiopische Frauen in der Kaffeeproduktion unterstützt. Felix Finkbeiners ehrgeiziges Ziel ist es, mit Plant For The Planet und der gleichnamigen App durch Aufforstung 1.000 Milliarden Bäume weltweit zu pflanzen. Toni Garrn unterstützt mit der Toni Garrn Foundation Bildungsprojekte für Kinder, im Speziellen für Mädchen, in den afrikanischen Ländern Ghana, Burundi, Simbabwe und Ruanda. Britta Steffen engagiert sich in verschiedenen Projekten für einen nachhaltigen Lebensstil und den Schutz der Weltmeere.

Moderator Markus Lanz (Mitte) im Gespräch mit den SDG-Botschafter*nnen Sara Nuru, Britta Steffen, Toni Garrn und Felix Finkbeiner (von links nach rechts). Foto: Xander Heinl/PHOTOTHEK

Beeindruckt von so viel Engagement nennt der Bundesminister die vier SDG-Botschafter*innen eine „tolle Truppe“ und ist sich sicher, dass ihr Tun zur Inspiration für viele werden wird. Moderator Markus Lanz resümiert den Abend, indem er feststellt, dass sowohl der Ort, als auch die Reden und die Gäste gesellschaftlichen Optimismus zulassen, da sich mancherorts zeigt, wie Offenheit und Engagement zu Veränderungen führen können.

Am Rande der Veranstaltung ist ein Museumsbesucher neugierig geworden und fragt eine GIZ-Mitarbeiterin, was es denn mit dem ganzen Trubel auf sich habe. Nachdem die Agenda 2030 und die 17 SDGs in aller Kürze erklärt sind, ist er ganz erstaunt: „Na, wie gut, dass wir so etwas haben in der Welt!“ Es zeigt sich also: Jetzt müssen die SDGs nur noch zu den Endverbraucher*innen gebracht werden. Das Entwicklungspolitische Forum freut sich, in den nächsten Monaten weitere Veranstaltungen mit dem Fokus Agenda 2030 unterstützen zu können!

Gruppenbild am Seitenanfang: Foto: Xander Heinl/PHOTOTHEK

Digital Development Debates – Archiv

The Future of Labour Is Not Pre-Determined

Interview with Guy Ryder, Director-General of the International Labour Organization (ILO) on the situation of labour rights worldwide.

» more

Morocco’s Solar Bet

Morocco’s new solar power plants are expected to support 1.1 million people and hopes are high for a boost in job creation. Yet obstacles still remain.

» more

Women Entering Tech

The Organization ChunriChoupaal does not accept the male bias of the tech industry. Neither in Europe nor in Pakistan

» more

Europe’s Working Poor

In some parts of Europe, garment workers earn less than their Asian counterparts – even if they work for big brands

» more