„Gleichberechtigung ist für nachhaltige Entwicklung existenziell“

29.11.2018 | Podiumsdiskussion | Berlin, Deutschland

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen lud die Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth am 29.11.2018 zu einer Abendveranstaltung unter dem Titel „Grenzgängerinnen: Geflüchtete Frauen zwischen Traumabewältigung und Empowerment“. Dort wurde im Zuge einer Podiumsdiskussion über Herausforderungen und Chancen bei der Unterstützung, dem Schutz und der Stärkung von Frauen und Mädchen in Fluchtsituationen debattiert. Im Anschluss an das Gespräch eröffnete die Parlamentarische Staatssekretärin eine Ausstellung zu Gleichberechtigungsansätzen in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Rund 120 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft besuchten Podiumsdiskussion und Ausstellungseröffnung.

Am Podiumsgespräch nahmen BMZ-Abteilungsleiterin, Ingrid-Gabriela Hoven, sowie die UN-Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt bei Konflikten, Pramila Patten und die Gründerin der Organisation EmpowHERment, Taffan Ako Taha, teil. In einem zentralen Punkt herrschte zwischen den Panelistinnen schnell Einigkeit: Zur Erreichung von nachhaltiger Entwicklung und Frieden sei die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen auf allen Ebenen unerlässlich.

Ingrid-Gabriela Hoven betonte, dass diese als Chance begriffen werden müsse, denn eine Gesellschaft würde enormes Potenzial verlieren, wenn 50 Prozent der Menschheit nicht wirklich gleichberechtigt eingebunden seien. Hier richtete sie einen klaren Appell an das Publikum: „Seien Sie mit uns Streiter, wenn Sie hier aus dem Raum treten.“

Taffan Ako Taha berichtete von den großen Schwierigkeiten für Frauen und Mädchen, die im Krieg erlittenen Traumata zu überwinden. Besonders im Fluchtkontext halten Diskriminierung und Gewalt Frauen davon ab, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Oftmals würden die Familien von Opfern und Tätern in denselben Flüchtlingslagern leben. Umso wichtiger sei es, Integrationsprobleme in Flüchtlingslagern ernst zu nehmen.

Auch Pramila Patten stellte heraus, dass die traumatischen Erfahrungen zumeist nicht mit der Flucht beendet seien. Verschiedene Formen der Gewalt könnten in allen Phasen der Flucht auftreten. Ursachen hierfür seien oftmals extreme Armut und Ungleichheit. Aufgrund dieser seien Frauen immer wieder gezwungen sexuelle Handlungen gegen Geld, Schutz oder Essen zu tauschen. Um nachhaltige Lösungen zu finden, sei eine koordinierte multi-sektorale Strategie nötig.

Dr. Maria Flachsbarth machte in ihrer abschließenden Rede deutlich, dass Gewalt und Unterdrückung im Fluchtkontext systematisch stattfänden. Gerade hier sei Gleichberechtigung essenziell. Opfer sexueller Gewalt fragen nach Gerechtigkeit, einer wirtschaftlichen Perspektive, Sicherheit, sowie Unterstützung psychologischer und ärztlicher Art, so die Parlamentarische Staatssekretärin.

Hier setzt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit an: Das BMZ setzt sich auf vielfältige Weise für eine generelle Stärkung der gesellschaftlichen Position von Frauen und Mädchen ein. Seit Verabschiedung des 5-Punkte-Plans „Keine Gewalt gegen Frauen“ im November 2017 wird in allen Regierungsverhandlungen mit Partnerländern die Situation von Frauen und Mädchen angesprochen. Gleichzeitig werden Programme zum Schutz von Flüchtlingen noch besser auf die besonderen Bedürfnisse von Frauen und Mädchen ausgerichtet. Zudem nimmt Deutschland seine anstehende zweijährige Mitgliedschaft als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat zum Anlass, mehr Engagement für die Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern und hat dabei vor allem den Schutz von Frauen vor sexualisierter Gewalt im Kontext von Konflikt und Krisensituationen in den Blick.

Auch außerhalb des Fluchtkontextes ist die mangelnde Gleichberechtigung der Geschlechter eine der größten Herausforderungen weltweit: Diskriminierung aufgrund des Geschlechts begrenzt alle Menschen in ihren Möglichkeiten und hemmt die Entwicklung eines Landes. Im Anschluss an das moderierte Gespräch eröffnete die Parlamentarische Staatsekretärin Dr. Maria Flachsbarth die interaktive Ausstellung „#ClosingTheGenderGap – Nachhaltige Entwicklung braucht Gleichberechtigung“. Den gut 100 Teilnehmer*innen der Veranstaltung wurden durch Videos, Fotos, Musik und digitale Anwendungen exemplarische Ansätze und Methoden aus Vorhaben der deutschen EZ zur Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter nähergebracht. Die Ausstellung ist derzeit noch im Lichthof des BMZ in Berlin zu sehen und wird in den kommenden Monaten an weitere Standorte in Deutschland wandern.

Bild oben: BMZ - Thomas Imo/photothek.net. Von links nach rechts: Taffan Ako Taha, Pramila Patten, Dr. Maria Flachsbarth, Katie Gallus, Ingrid-Gabriela Hoven

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