Grüner Knopf – We Change Fashion

09.09.2019 | Auftaktveranstaltung | Berlin, Deutschland

Am 09.09.2019 stellte Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller das erste staatliche Textilsiegel in Berlin vor: Ab sofort kennzeichnet der Grüne Knopf Textilien, die nach anspruchsvollen Umwelt- und Sozialstandards hergestellt wurden. Anlässlich der feierlichen Einführung des neuen Siegels lud das Entwicklungsministerium rund 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zur Verleihung des Grünen Knopfes an 27 Vorreiterunternehmen und zu einem anschließenden Sommerempfang ein. Das Entwicklungspolitische Forum unterstützte bei der Planung und Durchführung der Veranstaltung.

Die Textilarbeiterin Shilpi Rani Das war 16 Jahre alt, als am 24. April 2013 die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch über ihr einstürzte. Es war das schwerste Unglück in der Geschichte der Textilindustrie, mit 1.135 Todesopfern und 2.438 Schwerverletzten. Shilpi Rani Das überlebte Rana Plaza. Als sie die Veranstaltung „GRÜNER KNOPF – WE CHANGE FASHION“ am 9. September 2019 im BMZ in Berlin eröffnete und ihre Geschichte erzählte, verdeutlichte sie den Gästen die häufig katastrophalen Bedingungen, unter welchen viele Menschen und vor allem Frauen weltweit Kleidung produzieren. In vielen Textilfabriken herrschen immer noch menschenunwürdige Arbeitsbedingungen unter Missachtung von Sozial-, Umwelt- und Sicherheitsstandards.

Seit dem Unglück in Rana Plaza sind sechs Jahre vergangen. Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller initiierte bereits 2014 das Bündnis für nachhaltige Textilien mit dem Ziel, die Bedingungen in der weltweiten Textillieferkette zu verbessern. Die Einführung des ersten staatlichen Siegels für sozial und ökologisch nachhaltige Textilen, des Grünen Knopfes, ist für den Minister der nächste wichtige Schritt, um eine gerechte Globalisierung in der Textilwirtschaft zu erreichen. Dr. Gerd Müller betonte in seiner Keynote: „'Geiz ist geil' darf nicht unser Antrieb sein. Mit dem Grünen Knopf setzen wir jetzt einen hohen Standard und zeigen: Faire Lieferketten sind möglich. Ab heute kann das keiner mehr in Frage stellen. Das beweisen alle Unternehmen, die mitmachen.“

Bild oben: Dr. Gerd Müller und Shilpi Rani Das. Foto: photothek

Unternehmen, die mit dem Grünen Knopf zertifiziert sind, müssen 46 Sozial- und Umweltstandards erfüllen: Von A wie Abwassergrenzwerte bis Z wie Zwangsarbeitsverbot. Dabei wird das gesamte Unternehmen geprüft. In der Startphase deckt der Grüne Knopf zunächst die Produktionsstufen „Nähen und Zuschneiden“ sowie „Färben und Bleichen“ ab. Im nächsten Schritt wird er auf „Spinnen und Weben“ und „Faserproduktion und Baumwollanbau“ ausgeweitet.

Prüfstellen wie der TÜV begutachten die Einhaltung der Kriterien, welche wiederum durch die staatliche Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) kontrolliert werden. Dr. Raoul Kirmes von der DAkkS machte während der Veranstaltung deutlich: „Die Einführung einer staatlichen Kontrolle über Zertifizierungsstellen für verbraucherrelevante Labels und Siegel war lange überfällig, denn der Verbraucher kann seine Kaufentscheidung nur dann auf Nachhaltigkeit ausrichten, wenn er den Versprechen der Siegel und Zertifikate auch vertrauen kann.“

Moderator Jan Hofer leitete durch die Veranstaltung im Bundesministerium und tauschte sich mit den Bühnengästen über die Herausforderungen und Chancen bei der Unterstützung, dem Schutz und der Stärkung von Arbeiterinnen und Arbeitern im Textilsektor aus. Der Botschafter Bangladeschs, S.E. Imtiaz Ahmed, dankte dem BMZ für das starke Engagement und hob die Bemühungen seines Landes hervor, die Arbeitsbedingungen im Textilsektor deutlich zu verbessern. Andrea Ebinger, Geschäftsführerin von hessnatur begrüßte die Einführung des staatlichen Siegels ebenfalls: „Im Grünen Knopf sehen wir das Potenzial, Vorreiter für min-destens europaweite Standards in der ökologischen und sozial fairen Textilproduktion zu sein.“ Wolfgang Grupp, Geschäftsführer von TRIGEMA, schloss sich den positiven Stimmen zum Grünen Knopf an.

Phillip von Bremen, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Bundesverband, erklärte, dass der Grüne Knopf den Nerv der Zeit treffe, da für drei Viertel der Verbraucherinnen und Verbraucher nachhaltige Mode wichtig sei: „Sie wollen zu Recht kein T-Shirt tragen, das in 16-Stunden-Schichten für einen Hungerlohn genäht oder mit giftigen Chemikalien gefärbt wurde.“ In diesem Zusammenhang forderte Taslima Akhter, Fotografin und Aktivistin aus Bangladesch, mehr Aufmerksamkeit für die Umstände und das Leben der Textilproduzentinnen in Entwicklungsländern.

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, und Frank Zach vom Deutschen Gewerkschaftsbund appellierten an die soziale Verantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten. Zach verdeutlichte, dass der Grüne Knopf ein guter Anfang sei, der zudem ermögliche, dass sich Menschen in Entwicklungsländern zu Gewerkschaften zusammenschließen können. Zusätzlich bemerkte Zach aber, dass weitere gesetzliche Lösungen notwendig seien, um die umfassende Umsetzung von Sorgfaltspflichten im Textilsektor zu garantieren. Diese Ansichten teilten viele der anwesenden Gäste und Dr. Gerd Müller bekräftigte die Notwendigkeit eines Lieferkettengesetzes, sollte das freiwillige Engagement nicht ausreichen. Weiterhin erklärte der Bundesentwicklungsminister, dass das Kriterium des Grünen Knopfes, nationale Mindestlöhne zu zahlen, zeitnah auf existenzsichernde Löhne ausgeweitete werden müsse.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden 27 bereits erfolgreich geprüfte Vorreiterunternehmen von Dr. Gerd Müller mit dem Grünen Knopf ausgezeichnet. Die Verleihung unterstützte BMZ-Textilbotschafterin und Model Barbara Meier, die aus ihren persönlichen Erfahrungen in der Modebranche erzählte und feststellte, dass die Produktionsbedingungen von Textilien zu wenig thematisiert würden. „Wir sollten nie unterschätzen, welche Macht wir als Konsumenten haben. Am Ende des Tages richtet sich eine ganze Branche auch nach unseren Wünschen und Bedürfnissen.“, so Meiers Fazit.

Bild oben: Foto: photothek

Bei den ausgezeichneten Unternehmen handelt es sich um Start-Ups, Mittelständler, aner-kannte Nachhaltigkeitsvorreiter und große Unternehmen: Alma & Lovis, Aldi Nord, Aldi Süd, Brands Fashion, CharLe, Derbe, Dibella, Engel, Feuervogl, Hans Natur, hessnatur, Hopp, Kaufland, Kaya&Kato, Lidl, Manomama, Melawear, Millitomm, Modespitze Plauen, Phyne, Posseimo, Rewe Group, Schweickardt Moden, Tchibo, Trigema, Vaude, 3 Freunde. 26 weitere Unternehmen sind derzeit noch im Prüfprozess. Bei der Verleihung appellierte Minister Dr. Gerd Müller an alle deutschen Textilunternehmen, sich anzuschließen. Die Bundesregierung selbst hat das Ziel, bis 2020 insgesamt 50 Prozent der Textilien (Uniformen, Kittel, Bettwäsche, Gardinen, etc.) nach sozialen und ökologischen Kriterien zu beschaffen.

Im Anschluss an die Verleihung konnten sich die Gäste des Ministeriums neben Unternehmensständen auch eine Ausstellung der Fotografin und Aktivistin Taslima Akhter mit Bildern zu Rana Plaza und der Textilproduktion in Bangladesch ansehen. Der anschließende Sommerempfang, welcher unter der Schirmherrschaft des Botschafters von Bangladesch stattfand, wurde von Katie Gallus moderiert und lud alle Gäste zum geselligen Miteinander ein. Für die passende musikalische Untermalung sorgten der Toto Lightman Kinderchor sowie die afrikanische Band Mokoomba.

Gruppenbild am Seitenanfang: Foto: photothek

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