„Innovationen für eine gesunde Zukunft“. Bundesminister Müller und Bill Gates im Gespräch mit Studierenden der TU Berlin

15.10.2018 | Dialogveranstaltung | Berlin, Deutschland

Noch nie war der Anteil junger Menschen an der Weltbevölkerung so hoch wie heute. 90 Prozent der unter 25-Jährigen leben in Entwicklungsländern. Sie werden besonders von wachsenden Herausforderungen wie etwa den Folgen des Klimawandels betroffen sein. Welche Lösungen gibt es, und welche Rolle können junge Menschen dabei spielen? Diesen und weiteren Fragen widmete sich am 15. Oktober die Dialogveranstaltung „Innovationen für eine gesunde Zukunft“ im Audimax der Technischen Universität Berlin.

Der Dialog fand zwischen Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller, Microsoft-Mitbegründer Bill Gates sowie Gästen aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Medien, Wissenschaft und Studierenden der TU Berlin statt. Möglich gemacht wurde die Veranstaltung durch eine Kooperation von Bill & Melinda Gates Foundation, BMZ und der TU Berlin. Das Entwicklungspolitische Forum unterstützte das BMZ bei der Planung und Durchführung der Veranstaltung.

In seiner Eröffnungsrede bezeichnete Dr. Müller das globale Bevölkerungswachstum als eine der vielen Herausforderungen für die Menschheit. Jedes Jahr wachse die Weltbevölkerung um 80 Millionen Menschen an. Mit der wachsenden Weltbevölkerung müssten einige Fragen umso dringlicher beantwortet werden. Wie kann in der Zukunft die Ernährung der Menschheit sichergestellt werden? Wie können Klimawandel und Krankheiten erfolgreich bekämpft werden? Müller gab sich optimistisch: „Die Probleme sind lösbar. Computer, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und moderne Technologien ermöglichen heute eine Welt ohne Hunger.“ Diese zu erreichen sei das wichtigste entwicklungspolitische Ziel, so Müller.

Auch Bill Gates blickte positiv auf die Entwicklungen der letzten 25 Jahre. Es gebe einen starken Rückgang an Armut und Kindersterblichkeit. Verantwortlich dafür seien Wissenschaft und Impfungen. Auch die Bekämpfung von Krankheiten wie Polio sei bereits weit vorangebracht. Dennoch seien die Herausforderungen besonders in ärmeren afrikanischen Ländern immens. Der Klimawandel werde künftigen Fortschritt deutlich erschweren, so Gates. Grund zur Hoffnung gäben Innovationen in Medizin, Landwirtschaft, Energie und in digitalen Bereichen. Innovationen seien besonders beim Schutz von Säuglingen nötig, da die Sterblichkeitsrate bei Babys im ersten Monat besonders hoch sei. Auch Impfungen gegen Tuberkulose, HIV und Malaria könnten Meilensteine im Kampf für eine gesündere Welt werden, so Gates.

Mit Blick auf Afrika betonte Gates die großen Unterschiede, die auf dem Kontinent vorherrschen. Die Länder Afrikas seien im Schnitt arm, jedoch sei über die Jahre die Armut deutlich zurückgegangen und die Bildungsrate gestiegen. Trotz aktueller Krisen müssten jedoch auch die großen Fortschritte beachtet werden, die in vielen afrikanischen Ländern in den letzten Jahren gemacht wurden. Afrika dürfe nicht generell als eine Krisenregion abgestempelt werden.

Müller verwies ebenfalls auf das Potenzial des Kontinents. Er erwarte insbesondere durch die Digitalisierung große Innovationssprünge, da sie „in Echtzeit unser Wissen auf der ganzen Welt jedem zugänglich“ mache. Deswegen berge insbesondere verbesserte Bildung ein enormes Potenzial in sich. Müller betonte die Wichtigkeit nachhaltigen Handelns und wandte sich an das Publikum: „Kein Handy von euch funktioniert ohne Coltan und Kobalt aus dem Kongo.“ Afrikanische Rohstoffe seien für unseren Wohlstand unerlässlich. Es müsse jedoch noch viel für fairere Bedingungen getan werden, um eine gerechte Globalisierung zu erreichen.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer konnten vor und während der Veranstaltung Fragen über ein Online-Tool einreichen. Besonders im Fokus standen in der Diskussion konkrete Handlungsmöglichkeiten für Staaten, aber auch für die einzelnen Studierendenden in Berlin. Gates forderte diese auf, durch Engagement für Entwicklungspolitik in Parteien etwas zu verändern. Müller betonte, es sei unerlässlich, zumindest ein Gleichgewicht zwischen Entwicklungs- und Rüstungsausgaben herzustellen.

Des Weiteren forderte Müller das Publikum zum Handeln auf, zum Beispiel durch den Kauf von Fair-trade-Kaffee. Zum Abschluss der Veranstaltung wurden Müller und Gates gefragt, wie Innovationen in Ländern des globalen Südens gefördert werden können. Beide bezeichneten nachhaltige Transportsysteme und grüne Energie als entscheidende Grundlage für Entwicklung. Innovationen in diesem Bereich seien ein unerlässlicher Faktor für das Erreichen des Zwei-Grad-Ziels, so Müller.

Bild oben: David Ausserhofer. Von links nach rechts: Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität Berlin, Bill Gates, Ko-Vorsitzender der Bill & Melinda Gates Stiftung und Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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