Klimarisiken versichern

7. Mai 2015 | G7-Stakeholder-Konferenz zu Klimarisikoversicherungen | Gasometer Schöneberg, Deutschland

Risiken mindern, Verluste absichern, Resilienz erhöhen – Klimarisikoversicherungen als Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel.

Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller hat die Bedeutung von Klimarisikoversicherungen für die Entwicklungsländer hervorgehoben. Diese seien vor allem von den Folgen des Klimawandels betroffen, sagte der Minister auf einer Konferenz im Rahmen der G7-Präsidentschaft am 7. Mai 2015 im Gasometer in Berlin, die vom Entwicklungspolitischen Forum der GIZ durchgeführt wurde.

Vor rund 200 Gästen sagte Minister Müller, der Klimawandel stelle die Entwicklungsländer vor enorme Herausforderungen und könne Entwicklungserfolge mit einem Schlag zunichtemachen. Das Instrument der Klimarisikoversicherung biete die Möglichkeit, den Menschen etwa nach Dürren oder Hochwasser-Katastrophen rasch zu helfen. Zu den hochrangigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Gesprächsrunden zählten Anote Tong, Präsident der Insel-Republik Kiribati, Dr. Ngozi Okonjo-Iweala, Finanzministerin Nigerias sowie Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogramms (UNEP).

Minister Müller betonte, der Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen sei ein zentrales Thema der deutschen G7-Präsidentschaft, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe es für den G7-Gipfel im bayerischen Elmau auf die Agenda gesetzt. Mehr als 300 Millionen Menschen hätten in den letzten Jahren die negativen Folgen des Klimawandels erleiden müssen, von zehn betroffenen Staaten zählten dabei neun zu den Entwicklungsländern, so Müller.

Der Minister kündigte an, dass Deutschland im Rahmen der G7-Initiative für den Aufbau von Klimarisikoversicherungen 150 Millionen Euro bereitstellen werde. Es gelte, nicht nur Katastrophen gut zu managen, sondern auch Risiken für die Betroffenen abzusichern, sagte Müller. Bisher seien etwa 100 Millionen Menschen in Entwicklungsländern abgesichert, binnen fünf Jahren solle die Zahl auf 500 Millionen Menschen erhöht werden.

Im Anschluss an eine Video-Grußbotschaft von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wies Präsident Anote Tong in seiner Keynote auf die Dringlichkeit von Maßnahmen hin, mit denen weltweit den Folgen des Klimawandels begegnet werden müsse – sein vom Untergang bedrohtes Land sei ein mahnendes Beispiel dafür. Immer stärker ausfallende Fluten überschwemmten die Dörfer Kiribatis, die Kosten zur Beseitigung der Schäden seien zunehmend schwerer für die Regierung aufzubringen.

Die nigerianische Finanzministerin Dr. Ngozi Okonjo-Iweala stellte die African Risk Capacity (ARC) vor, deren Verwaltungsratsvorsitzenden sie ist. Von der Afrikanischen Union ins Leben gerufen, biete die ARC ihren Mitgliedsländern gegen eine risikoadäquate Prämie Versicherungen gegen Dürren an. Sie reagiere kurzfristig auf klimabedingte Ernteausfälle und setze Anreize, dass Staaten mehr in die Vorsorge investieren.

Achim Steiner betonte die Wichtigkeit von Klimarisikoversicherungen, UNEP unterstütze seit vielen Jahren die Entwicklung entsprechender Produkte. Er mahnte an, dass der Klimawandel zunehmend Auswirkungen habe, die nicht mehr versicherbar seien.

BMZ-Staatssekretär Dr. Friedrich Kitschelt bezeichnete das Vorgehen gegen die Klimafolgen als wichtige Verantwortung der G7-Staaten, neben den Industrienationen müssten aber auch die Schwellenländer einen Beitrag leisten. Und schließlich müsse sich auch die Privatwirtschaft beteiligen, „ohne die geht es nicht“, so Kitschelt.

Amer Ahmed, Geschäftsführer der Allianz Re, sagte, in den letzten zehn Jahren habe es weltweit Schäden durch Unwetter in Höhe von rund 100 Milliarden Dollar gegeben, bei denen die Betroffenen nicht versichert gewesen seien. Die Versicherungswirtschaft und die künftigen Versicherungsnehmer müssten sich auf eine gemeinsame Agenda einigen.

Am Nachmittag kamen die Expertinnen und Experten aus Politik, der Finanz- und Versicherungswirtschaft, aus Forschungsinstituten und von NRO in Arbeitsgruppen zusammen, um Empfehlungen für die weitere Ausgestaltung der G7-Initaitive zu Klimarisikoversicherungen zu sammeln.

Nach der Präsentation der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen sicherte BMZ-Abteilungsleiterin Ingrid-Gabriela Hoven zu, dass diese systematisch aufgearbeitet würden. Die Abstimmung mit den Partnerländern zum Thema Klimarisikoversicherungen werde weiter gehen, um schließlich zu einer gemeinsamen Umsetzung zu gelangen.

Dr. Juerg Trueb, Managing Director der Swiss Re, sagte, die Versicherungswirtschaft sei grundsätzlich bereit, ein Angebot zu kreieren. Dabei sei „die Nachfrage der Schlüssel, nicht das Angebot“. Die jeweiligen Bedarfe von Kleinbauern bis hin zu den Regierungen müssten erfasst und kanalisiert werden, um zu den entsprechenden Versicherungsprodukten zu kommen.

Der Parlamentarische Staatssekretär im BMZ, Thomas Silberhorn, betonte in seiner Abschlussrede noch einmal den Willen der Bundesregierung, bessere Rahmenbedingungen für Klimarisikoversicherungen zu schaffen, da sie ein wichtiges Instrument seien, insbesondere für die Ärmsten die Folgend des Klimawandels zu mildern.

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