In einem der Workshops diskutierten u.a. Hana Uraidi, CEO der Jordan Enterprise Development Corporation (JEDCO) (links) und Abdoulaye Sy, Country Economist für Iran und Dschibuti bei der Weltbank. Foto: GIZ/Ecke

Stabilität durch Beschäftigung

11. September 2015 | Berlin, Deutschland

Die hochrangige G7-Deauville-Konferenz zur Beschäftigungsförderung in der MENA-Region stand im Zeichen der aktuellen Flüchtlingsströme.

Am 11.09.2015 lud das BMZ zur Fachkonferenz, die sich mit der Frage auseinandersetzte, wie neue Beschäftigungsmöglichkeiten in der MENA-Region geschaffen werden können. Die Konferenz wurde zusammen mit dem Bundesfinanzministerium in den Räumlichkeiten des Deutschen Beamtenbundes (dbb) in Berlin veranstaltet und wurde vom Entwicklungspolitischen Forum der GIZ durchgeführt. Über 120 hochrangige Teilnehmer, überwiegend aus der MENA-Region, folgten der Einladung.

Der parlamentarische Staatssekretär im BMZ Thomas Silberhorn eröffnete die Veranstaltung, indem er auf die aktuellen Flüchtlingsströme nach Europa Bezug nahm. Die fehlenden Perspektiven in der MENA-Region ließen sich auch in Deutschland spüren, so Silberhorn. Von einer Jugendarbeitslosigkeit von 30 % gehe massive Gefahr für die Stabilität der Länder aus. Um die Region zu stärken, sei es nicht ausreichend nur Kapitalflüsse in die Region zu fördern, sondern müsse die Situation der Menschen und kleinen Unternehmen Vorort verbessert werden. „Wir brauchen die Kreativität der jungen Menschen in den Ländern“, so Silberhorn. Häufig fehle es ihnen an Bildung, wofür vor allem auch der private Sektor Verantwortung zu tragen hätte. „Die Flüchtlingsströme sind das direkte Resultat“, schlussfolgerte Silberhorn. Seit 2014 stellte das BMZ bereits 200 Millionen Euro in über 30 Projekten in der MENA-Region zur Verfügung. Auch wenn viele Hoffnungen nicht erfüllt seien, erinnerte Silberhorn daran, dass Transformation ein langatmiger Prozess sei.

Ragui Assaad, Professor an der Humphrey School of Public Affairs, ergründete in der Keynote Speech, wie sich die Arbeitsmärkte in der MENA-Region verändert haben. Besonders problematisch seien die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die schlechte Jobqualität der Hochqualifizierten. Ursächlich hierfür sei vor allem auch der Rückgang der öffentlichen Beschäftigung, die nicht vom Privatsektor aufgefangen werden konnte. Nach wie vor sei es das Ziel der meisten Berufsabsolventen eine Anstellung im öffentlichen Dienst zu finden, wobei vor allem nicht-materielle Anreize wie Status und Sicherheit hierfür verantwortlich seien. Kritisch betrachtete Assaad die Entwicklung, dass der Status der Eltern für die Beschäftigung der Kinder an Bedeutung gewonnen hätte – unabhängig von ihrer eigenen Qualifikation. Ein besserer Bezug von Arbeitsangebot auf Arbeitsnachfrage sei von zentraler Bedeutung. Aber auch klare Regelungen für Insolvenz würden das Unternehmensklima und Risikofreude stärken.

Stefan Kapferer, stellvertretender Generalsekretär der OECD, zeigte sich besorgt über die Entwicklung der regionalen BIPs. Man könne nicht auf ausländische Direktinvestitionen warten, sondern müsse das Unternehmensklima insbesondere für die heimischen kleinen Unternehmen stärken. Letztlich führe kein Schritt an Arbeitsmarktreformen vorbei, so Kapferer.

In drei seperaten Workshops widmeten sich die Teilnehmer spezifischen Fragestellungen. Diskutiert wurden kurzfristige Lösungsstrategien für die akuten Probleme, Maßnahmen zur Stärkung des Privatsektors, sowie Möglichkeiten der strukturellen Anpassung.

In der abschließenden Paneldiskussion diskutierten der jordanische Arbeitsminister Nidal Katamine, Heba Gamal (Geschäftsführerin Endeavor, Ägypten), Christiane Bögemann-Hagedorn (BMZ Unterabteilungsleiterin Nordafrika; Nahost;Südost- und Osteuropa; Lateinamerika; Lateinamerika-Beauftragte), Rula Shunnar (Direktorin Länderaktivitäten SILATECH, Katar) unter Moderation von Daniel Gerlach (Chefredakteur Zenith), wie durch eine Allianz von Staat, Privatsektor, Gewerkschaften und Verbänden und Zivilgesellschaften der großen Herausforderung der Arbeitslosigkeit begegnet werden kann.

„Wir können uns nicht der Schaffung von Arbeitsplätzen widmen, wenn wir die ganze Zeit andere Probleme zu lösen haben“, begann Minister Katamine. Das Land sei mit der anhaltenden Flüchtlingskrise überfordert. Von elf Millionen Menschen, die sich in Jordanien befinden, seien lediglich 4 Millionen Jordanier. „Es gibt bei uns keinen Alltag“, so Katamine. Ein weiteres großes Problem sieht Katamine in der mangelnden ruralen Infrastruktur. Fast alle Arbeitsmöglichkeiten befänden sich in drei bis vier Städten.

Christiane Bögemann-Hagedorn betonte die Bedeutung von Allianzen aus Unternehmen, Zivilgesellschaft, Regierung und Gewerkschaften. Vor allem im Bildungsbereich müssten Unternehmen stärker gefordert werden: „Man kann das deutsche Ausbildungssystem nicht exportieren, aber vielleicht die Idee, dass Unternehmen ihre Belegschaft besser ausbilden“, so Bögemann-Hagedorn.

Die Sichtweise der Unternehmen wurde von Heba Gamal dargelegt. Unternehmer würden sich von alleine nicht an Allianzen beteiligen, da sie sich lieber darauf fokussieren, was sie am besten könnten und das sei ihr Geschäft. Wichtig aber sei es den Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmern zu fördern, so Gamal.

Rula Shunnar legte dar, dass trotz der Suche nach Allianzen die Lösung stets auf den länderspezifischen Kontext angepasst seien müssen. Als Beispiel nannte sie Gaza, wo vor allem virtuelle Arbeit kreiert werden könnte. Ziele, die bei sehr abstrakten Kennzahlen ansetzen, seien nicht immer hilfreich, so Shunnar: „Wir müssen auf der unteren Ebene loslegen“. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde erörtert, wie man eine regionale Integration fördern könne und wie man Unternehmen dazu bringen könnte, ihr Wissen zu teilen.

Foto: GIZ/Ecke. In einem der Workshops diskutierten unter anderem Hana Uraidi, CEO der Jordan Enterprise Development Corporation (JEDCO) (links) und Abdoulaye Sy, Country Economist für Iran und Dschibuti bei der Weltbank.

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