Standards für gute Arbeit weltweit

10. März 2015 | „Axica“, Berlin, Deutschland

Auf der Konferenz „Gute Arbeit weltweit durch nachhaltige Lieferketten fördern“ von BMZ und BMAS sprach der Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi.

„Gute Arbeit darf kein Luxus sein, den sich nur die reichen Länder leisten können!”, forderte Arbeitsministerin Andrea Nahles in ihrer Eröffnungsrede der Stakeholder-Konferenz in der Berliner Axica am 10. März. Auf die von Nahles angesprochenen „reichen Ländern“ der G7-Staaten entfallen aber 52% der internationalen Wertschöpfung, die Marktmacht der 750 Millionen Einwohner sei nicht von der Hand zu weisen. Deshalb wolle sie, im Schulterschluss mit Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller, konkrete Verbesserungen auf den Weg bringen. „Meine Lieblingsvision: dass wir Unfallversicherungen in den Herstellerländern aufbauen“, so Nahles.

Auch Entwicklungsminister Müller betonte die Marktmacht und die damit einhergehende Verantwortung der Konsumenten, er wolle aber auch die Hersteller und den Handel in die Pflicht nehmen. „Es muss ‚klick‘ machen“, so Müller, „wir leben in einer Welt, es geht um eine globale Verantwortungsethik“. Zwar seien Ministerin Nahles und er nicht in der gleichen Partei, „uns verbindet aber, eine Welt sozialer und gerechter gestalten zu wollen“.

Die beiden Minister stellten in einer Pressekonferenz am Rande der Konferenz ihre Initiative für menschenwürdige Arbeitsbedingungen vor. Das Zukunftspapier „Gute Arbeit weltweit“ weist konkrete Umsetzungsschritte für die G7-Staaten auf. Deutschland wolle und solle hier eine Vorreiterrolle einnehmen, so waren sich die Minister einig.

Für diese wichtige Rolle Deutschlands beim Erarbeiten neuer Standards gegen Kinderarbeit fand der Kinderrechtsaktivist Kailash Satyarthi, 2014 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, in seiner Rede eindrückliche Worte. Nur gemeinsam, so Satyarthi, „we can put an end to the slavery of children”.

Auch das Textilbündnis des BMZ war Thema auf der Konferenz. Deshalb waren auch viele Gäste aus den Erzeugerländern wie Bangladesch und Pakistan geladen, unter anderem sprach der bangladeschische Handelsminister Tofail Ahmed bei einer Podiumsdiskussion, gemeinsam mit dem französischen Arbeitsminister François Rebsamen.

Die Teilnehmenden der Konferenz diskutierten in sechs Foren verschiedenen Aspekte von nachhaltigen Lieferketten: Wie können Arbeitsunfälle vermieden werden? Wie können kleine und mittelständische Unternehmen in den G7-Ländern bei der Umsetzung von Standards unterstützt werden? Was kann zur Stärkung von Netzwerken zu Sozial- und Umweltstandards getan werden? Wie können Beschwerdemechanismen verbessert werden? Wie kann das Capacity Development in den Erzeugerländern gestärkt werden? Und wie können die Konsumenten in den G7-Staaten gefördert werden, gute Entscheidungen zu treffen?

Die Foren wurden unter anderem von Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär des Entwicklungsministers, und Jörg Asmussen, Staatssekretär im Arbeitsministerium, geleitet. Inputgeber waren Vertreter der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, vom China National Textile and Apparel Council, von BMW sowie GIZ-Vorstandsmitglied Dr. Christoph Beier. Es blieb vor allem ausreichend Raum für Diskussionen und Kommentare.

Weltbankpräsident Jim Yong Kim drückte bei der Abschlussveranstaltung am 11. März seine Unterstützung für die Initiative für weltweit menschenwürdige Arbeitsbedingungen aus. Das Anliegen beim G-7-Gipfel der führenden Industrienationen auf Schloss Elmau in Bayern im Juni voranzutreiben, sei auch ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Hunger, so Kim. Und weiter: „Die G7 können ein Zeichen für eine ganz neue Ära der Zusammenarbeit setzen“.

Angel Gurría, OECD-Generalsekretär, unterstrich die große Bedeutung der G7-Präsidentschaft Deutschlands, denn es sei höchste Zeit und neuer Schwung sei nötig, um Standards entlang der kompletten, globalen Lieferkette durchzusetzen. Hier könne Deutschland als wichtiger Treiber wirken.

Auch ILO-Chef Guy Ryder erwartet viel vom deutschen Vorsitz: hier könne, besonders im Bereich der Arbeitsbedingungen, vieles angestoßen werden, es müsse jedoch dann auch „weitertransportiert“ werden, zum Beispiel in die G20-Staaten, so Ryder. Noch etwas über 80 Tage sind es bis zum G7-Gipfel auf Schloss Elmau, doch es sind hier in Berlin wichtige Weichen gestellt worden, da sind sich die Beteiligten einig.

Die Veranstaltung wurde von BMAS und BMZ gemeinsam ausgerichtet und vom Entwicklungspolitischen Forum der GIZ unterstützt.

Impressionen der Veranstaltung

Foto: Thomas Köhler

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